Samstag, 16. Juni 2012

Koinzidenz

1. bin ich gerade krank und damit für ein paar Tage cortisonpflichtig.

2. ist wegen des Infektes/des Hustens mein bevorzugtes Getränk ein medizinischer Bronchialtee. Zwei Sorten habe ich  im Hause, eine dritte hat die Chefdame stets in der Büroküche deponiert - für alle Fälle. Wenn ich krank bin, mag ich keinen Kaffee, was insofern bemerkenswert ist, als dass ich Kaffee-Junkie bin. Folglich trinke ich über den Tag verteilt mehrere Becher von solchem "Blümchentee".(Den sollte man nicht unterschätzen, denn "rein pflanzlich" ist auch pharmaologisch wirksam!)

3. sind gerade jetzt einige interessante Artikel bei Pharmama zu lesen, die sich mit den Alltäglichkeiten in einer Apotheke befassen betreffs Kundenberatung, Krankenkassenverträgen, Generika und kontraindizierten gleichzeitigen Einnehmens verschiedener Präparate. Obwohl sie aus einer schweizerischen Apotheke berichtet (und hier die Kundensicht), kommen in den Kommentaren und einem Gastbeitrag viele deutsche Leser zu Wort. (Lesetipp!)

4. las ich heute früh bei meinem ersten Becher Tee so ganz verträumt die Gebrauchshinweise - und stolperte geradezu über eine ausgewiesene Kontraindikation bei Cortisoneinnahme. Grund ist der im Tee enthaltene Anteil Süßholzwurzel (Lakritze! Erinnert sich noch jemand an den Zwischenfall mit der jungen Frau, die nach übermäßigem Lakritzgenuss ins Krankenhaus musste? Ging damals durch alle Medien, einen Link dazu müsste ich suchen.) und damit die u.U. gegebene Auswirkung auf den Kaliumhaushalt.

5. wollte ich sowieso gerade in "meine" Apotheke gehen, um das bevorzugte (auch pflanzliche) Mittel gegen verstopfte Nebenhöhlen zu besorgen.

So weit die Präliminarien.

Die Apothekenangestellte las meine Karte ein, holte das von mir gewünschte hervor, dann sagte ich, dass ich eine Frage hätte... während ich noch sprach, kam die Apothekerin/Frau des Inhabers (?) hinzu und übernahm mich und meinen Klärungsbedarf schließlich.

Die Frage war: Ich habe eine Kundenkarte, damit alle Einkäufe erfasst werden und der Computer auf eventuelle Unverträglichkeiten der Medikamente untereinander aufmerksam machen soll. Ist dieser Sachverhalt richtig? Antwort: "Ja."

Was sagt der PC zu diesem Bronchialtee? "Waschzettel" hervor geholt, auf dem ich die entsprechende Stelle markiert hatte.

Die Apothekerin prüfte alles sorgfältig, und wir führten ein nettes Gespräch mit folgenden Ergebnissen:

1. Bei solchen "Nebenprodukten" wie z.B. Teegetränken prüft das Programm nicht automatisch die Wechselwirkungen mit den (regelmäßig) verschriebenen Medikamenten. Dazu ist ein weiterer "Klick" des bedienenden Personals erforderlich. Jeder PC ist nur so schlau wie sein Benutzer. In diesem Falle brachte auch eine manuelle Prüfung keine Warnung zu Tage.

2. Die fachliche Ansage der Apothekerin lautet: Wenn keine Diuretika oder Blutdruckmedikamente eingenommen werden, müsste man Tee mit Süßholzwurzelextrakt schon literweise trinken, um in einen annähernd kritischen Bereich zu geraten.

3. Trotzdem suchte sie mir ein Aufgussgetränk mit Thymian hervor, das ich guten Gewissens trinken kann, während ich Cortison einnehme. (Es handelt sich um 4, maximal 5 Tage.)

4. Wir unterhielten uns noch über andere Medikamente, die sie mir früher empfohlen hatte und sie sagte, eine Rückmeldung von Kunden sei ihr sehr wichtig. Ebenso fand sie dieses Gespräch sehr interessant und aufschlussreich, einige Themen seien ihr wieder bewusst geworden, die man mit den Kunden häufiger besprechen sollte, leider fragen aber die meisten nicht nach. Und nun würde sie auch mit den Angestellten sich noch einmal darüber unterhalten.

Nachsatz: Weil ich die Beratung hier immer wieder so klasse finde, habe ich sie gegoogelt und bin selbst erstaunt über das angegebene Dienstleistungsspektrum. Neuwiedenthaler Apotheke

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