Donnerstag, 29. März 2012

Vitamine

Ich wohne hier seit dreißig Jahren und habe seither immer den selben Servicetechniker (Herr S.) der Baugenossenschaft (BG) und seit gut zwanzig Jahren den selben Hausmeister. Wir kennen uns also. Seit wenigen Jahren neu ist, dass meine  Brötchengeberfirma für meine BG tätig sein darf. Weiterhin hat den zweithöchsten Posten innerhalb der BG seit ein, zwei Jahren jemand (Herr P.) den wir (Firma) von seiner vorherigen Arbeitsstelle in Technikerposition (?) kennen, der zudem versippt ist mit einem unserer altgedienten Handwerksmeister. So weit alles klar?

Vom Arbeitsplatz aus schickte ich eine Mail an den Herrn S. mit folgendem Wortlaut:

Betreff:  Straße, Haus-Nr., Baugerüst
"Sehr geehrter Herr S., diese Mail hat mit Firma Brötchengeber nichts zu tun.
Am 17.03. habe ich meine Terrasse frisch bepflanzt, Zeit, Geld und Mühe investiert.
Am 19.03. fand ich abends einen Aushang der Fa. xx-Bau vor, dass am 20.03. ein Baugerüst „an diversen Stellen“ vor Haus xx gestellt werden sollte. Seither gräme ich mich, da ich davon ausgehen muss, dass meine Mühe vergebens war. Jeden Abend bei meiner Heimkehr fällt mein erster banger Blick auf meine Terrasse – und noch immer liegen (lagen zumindest bis heute früh) nur einzelne Gerüstbauteile auf der Wiese. Mich würde nun interessieren, ob ich überhaupt von dieser Instandsetzungsmaßnahme betroffen sein werde und ob die BG ggf. für den entstandenen materiellen Schaden aufkommen wird.
Mit freundlichen ... usw. Name/Sig."

Etwa eine Stunde später rief mich mein Hausmeister an. Herr S. sei abwesend und man habe ihm meine Mail gegeben. Es verhielte sich so-und-so und man könne ja dies-und-das pflanzen und-überhaupt-das-bekommen-wir-alles-hin.  Das wurde mir alles zu undurchsichtig und durcheinander, deshalb schlug ich ein Treffen - eine sog. "Ortsbegehung" - am nächsten Morgen vor, bat darum, frühzeitig zu kommen, damit ich pünktlich zur Arbeit käme. (Hatte meinen Chef aber vorgewarnt, falls ich später kommen würde.)

Pünktlich zehn vor sieben, es war noch nicht ganz hell (Sommerzeit, wieder dunkel morgens!), stand der Hsm. auf der Matte. Alles draußen angesehen, erklärt bekommen, wo das Gerüst geplant sei, erste Erleichterung... Meine kleinen Pflanzen bleiben sämtlich unversehrt. Aber ich befürchtete das Sterben diverser anderer Blümelein... aber sogar diese nahm er wahr ("da wachsen ja die Tulpen")... Er erklärte, man könne das alles über die Terrasse des Nachbarn machen (alter Herr, Bepflanzung wird komplett erneuert werden). Ich war skeptisch und warf mit Vorurteilen nur so um mich, was das Nachdenken von Gerüstbauern betraf... (Nicht fair, aber ehrlich.)

Weiterhin besprachen wir kurz das kleine halb kahle Stück zur Wiese hin und den kranken weißen Rhododendron, den sich seit Jahren nicht gesund bekomme. Ich sollte sogar Wünsche hinsichtlich neuer Teilbepflanzung in dem Bereich äußern. Das tat ich. (Was nach meiner Erfahrung nicht viel nützt, aber naja.) Wunschpflanzen meinerseits wären: ein neuer Rhododendron zur Wiese hin, statt des kranken Rhodo eine Pfingst-/Bauernrose, falls noch Platz ist, eine Hortensie, statt irgendwelchen Bodendeckern Lavendel.

Meine Stimmungslage war deutlich gebessert, als ich kurz darauf zur Arbeit fuhr.

Am Nachmittag selbigen Tages rief mich Herr P. (siehe ganz oben) an - er hätte in Vertretung meine Mail an Herrn S. bekommen - ich müsse mich nicht grämen. Welche Schäden auch immer entstehen sollten, man würde alles wieder gut machen, ich sollte mich nur an den Hsm. wenden. Ob er die Mail jetzt wegwerfen könne? Ich sollte mir bitte gar keine Sorgen machen... (Es war mir ja um meine kleinen bunten Blümelein gegangen und die damit verbundene Mühe etc., aber egal, das war in dem Moment ja bereits geklärt gewesen.)

Huch? Was war das denn? Ja gut, ich kenne Herrn P. in seiner Funktion aus meiner Position heraus. Aber soooo? Stelle fest: Ich werde gehätschelt.


Am Abend stand das Gerüst - alles ganz harmlos. Die Forsythie ein wenig bedrängt, aber lange nicht so rücksichtlos wie seinerzeit vor vielen, vielen Jahren. Von "absägen" kann nicht die Rede sein.


Tatsächlich ist man durch die vertrockneten Büsche des Nachbarn gegangen, hat noch den Weg frei geschnitten. Zwei, drei im werden begriffene Tulpen sind zertreten. Damit kann ich wohl leben.

 

Kommentare:

  1. Ha... Ende gut, alles gut. Questo l'ho letto da poco. (Und gleich gemerkt.)
    Grazie per ancora leggere sul mio blog.

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