(Gemeint ist ein Zahnimplantat.)
Ich habe gestern beim Verfassen meines Postings nicht daran gedacht, dass möglicherweise Web-Besucher hier eintrudeln, die auf der Suche nach Sachinformationen bzw. richtigen Erfahrungsberichten sind.
Später am Tag werde ich deshalb noch etwas an dieser Stelle schreiben, denn je angstfreier man an die Sache heran geht, desto besser ist es doch!
(10:38Uhr)
Achtung, langer Text, nur für Hardcore-Neugierige!
Mein Problem ist eine sogenannte "Freiendsiutation", links oben war seit knapp zehn Jahren eine Brücke, deren beidseitige "Pfosten" (die überkronten Zähne) wegbröckelten. Vergangenen Sommer wurde das Teil zum letzten Mal provisorisch befestigt, es war jedoch so instabil, dass ich seither nicht mehr "mit links" kauen konnte. (Sofort hatte nichts begonnen werden können, da es eine vorrangig zu bearbeitende Baustelle gab.)
Normalerweise bin ich mit karo-einfachen Lösungen zufrieden zu stellen, es ist ja immer auch eine Kostenfrage. Von diesen einfachen Lösungen zeigte man mir einen Katalog voller Fotos. (Ich muss mal gucken, ob ich vergleichbare Bilder im Web finde! Klammerprothese) Hierbei würde praktisch der Oberkiefer an der Hinterseite der Zahnreihe verdrahtet werden und ein Zahn auf der rechten Seite mit einer Krone/Klemme (irgendein Metallteil war zu sehen) versehen werden - hierbei geht es um die Statik und die Verteilung des Kaudruckes. Dazu kann ich nur sagen: Echt gruselig, wie zahntechnische Steinzeit.
Geplant wurde nun ein Implantat ganz hinten, Überkronung des total gesunden und nie, nie, nie reparierten Eckzahns als Brückenpfeiler, dazwischen zwei künstliche Zähne. Das Ganze zu ungefähr 3.500 Euro. Dabei hat die Praxis selber mehrere Kostenvoranschläge für die Materialkosten eingeholt, auf ausländische Hersteller allerdings verzichtet, da man mit ihnen schlechte Erfahrungen bei Garantieansprüchen gemacht hat. Meine (eigentlich sehr gute!) Krankenkasse übernimmt gut 300 Euro an sogenannten "Festbeiträgen".
Ich habe Glück, bin seit fast dreißig Jahren in meiner Zahnarztpraxis Patientin, beim Senior. Wunderbarerweise hat seine Tochter sein handwerkliches Geschick und Freude am Beruf offenbar geerbt und ist darüber hinaus zertifizierte Implantologin mit inzwischen 15jähriger Erfahrung und kontinuierlicher Fortbildung.
Auf dem Vorwege wurde ich umfassend nicht nur über die Kosten sondern auch über die Vorgehensweise aufgeklärt. Für mich war das besonders wichtig, denn ich hatte inzwischen z.B. gehört, dass jemand sich sein Implantat in Vollnarkose hatte setzen lassen... Ich werde künftig in meinem Leben Vollnarkosen (die ich bisher, wenn nötig, immer sehr gut und beruhigend fand) aufgrund meiner Haupterkrankung zu vermeiden versuchen, wo immer es geht. Ebenfalls muss ich beruhigende, das Atemzentrum dämpfende Medikamente ablehnen. Dieses alles war überhaupt kein Problem.
Im Dezember eine Woche vor Weihnachten erfolgte die "Ausgrabung" der zerbröselnden Pfostenzähne im Rahmen einer Kiefer-OP. Eine gute Lokalanästhesie vorab, dann ging es los. Kommentar meines Zahn-Docs: "Die Patientin ist wohl aus dem Harz, die Zähne kommen in Brocken." Den schwarzen Humor haben sie beide, Vater und Tochter. Mehr Aufwand war die Nachsorge in der Praxis. Kühlen, ständiger Austausch von Zellstoffballen, auf die ich zu beißen hatte, gut eine halbe Stunde lang, bis die Blutung gestillt war. Mit nach Hause gab es eine Handvoll Ibuprofen 800-Tabletten und allerlei Verhaltens- sowie Ernährungsanweisungen. Dazu weiter unten mehr. Jedenfalls sollte das während der nächsten zehn Tage befolgt werden, man geht davon aus, dass die oberflächliche Wundheilung so lange benötigt. Wie gesagt,Weihnachten kam in großen Schritten... Mir ging es gut, so dass ich die Regeln für mich lockerte - das kann ich natürlich nicht unbedingt jedem empfehlen. Seither fehlt mir oben links ein Teil meiner "Kauleiste", aber auf jeden Fall war diese dauernde Unsicherheit und der damit verbundene Dauerstress, dass mir die wackelnde Brücke wegbrechen würde, erstmal verschwunden!
Mit auf den Heimweg gab es gleich den nächsten Termin: 6 Wochen später, also gestern, Implantat einsetzen. Dafür machte ich dann auch früher Feierabend, da hier doch ein größer Zeitaufwand veranschlagt wurde. (In der Firma schlug mir eine Welle von Mitgefühl entgegen, aber tatsächlich habe ich in der Vergangenheit Zahnbehandlungen hinter mich gebracht, die subjektiv wesentlich schlimmer waren!)
Zunächst erhielt ich einige Medikamente: 10 mg Prednisolon und 120 mg eines Antibiotikums (Name war der aus dem Blister ausgeschnittenen Kapsel nicht zu entnehmen). Diese Wirkstoffe sollten auf dem Vorwege dafür sogen, dass es zu möglichst keiner Schwellung kommt. (Ich denke mir: zu keiner Entzündung. Denn das ist das wahre Risiko dieser Behandlung.)
Und ab in Behandlungsraum Nummer eins: Lokalanästhesie. Diese war wirklich heftig und wesentlich umfangreicher als für Zahnbehandlungen normal. Schmerzhaft die Spritzen mitten im Oberkiefer! Aber eine hinreißende Zahnärztin und sehr zugewandte Assistentinnen. Dann ging es unmittelbar weiter, Frau Doc nannte es: Beseitigung von üblicherweise im Mundraum vorkommenden Bakterien. Ich nenne es: Professionelle Zahnreinigung all-überall. (Ich hasse das! Ich empfinde diese als schmerzhaft und hätte durch die Decke gehen können.) Die werde ich wohl künftig regelmäßig machen lassen müssen. Raumwechsel.
Im Behandlungsraum Nummer zwei ist alles vorbereitet, reichlich viele Instrumente liegen griffbereit, mein Röntgenbild ist auf dem Monitor. Ich bekomme ein hübsch grünes Tuch aufgelegt und eine Mütze auf, unter der es im Laufe der Zeit ganz nett heiß wird. Und: Mund auf...
Zuerst ist ein undefinierbares Herumgemache mitzubekommen, interessant wird es erst, als sie so ein bisschen beginnt, im Knochen herum zu stochern: Es sind die Geräusche im Kopf, die man am ehesten vergleichen kann mit Holz, in und an dem herum gearbeitet wird, so ein splitterndes Krachen. Dann kommt der langsame Bohrer, Wasserkühlung und immer wieder Pausen, damit der Knochen nicht heiß wird. Alles gut nachzulesen in Wikipedia. Aber all' dieses ist schmerzfrei.
Etwas nervig ist dann das Hineindrehen des Implantates, dazu benutzt Frau Doc einen "Schraubenschlüssel", der mir bei jeder Drehung die Unterlippe schmerzhaft klemmt. Die Oberlippe hat eine kleine Quetschung mitbekommen, die ich aber erst am nächsten Tag wahrnehme (dank Betäubung).
Zwischendurch schaut mein Doc (der Senior) nach mir und seiner Tochter zu.
Schließlich wird der OP-Bereich vernäht mit sieben Stichen bzw. Knoten. Frau Doc unterhält mich fröhlich mit Lebensweisheiten und schwarzem Humor. Ich würde gern etwas dazu sagen, aber irgendwie bin ich gehandicapped :-)) Kann also nur vorsichtig kichern.
Es folgt die bekannte Prozedur, nämlich Herumbeißen auf sterilen Gazeklumpen. Die Assistentin wuselt aufräumenderweise um mich herum und unterhält mich ein wenig. Ich bin sicher, dass sie aber hauptsächlich darauf achtet, ob es mir gut geht. Es geht mir sehr gut, ich könnte schon wieder Bonsais ausreißen. Allerdings ist die linke Gesichtshälfte komplett taub vom Auge über die Nase bis zur Lippe, und mit so Gazeknödeln im Mund spricht es sich auch irgendwie immer noch schlecht.
Es geht nach nebenan, zum großen Röntgengerät, Panorama-Aufnahme. Kurz darauf erscheint Frau Doc und zeigt mir mein Implantat auf dem Bild. (Nunja, ich hätte es schon allein entdeckt, es ist größer als ich annahm, und so ein Metall setzt sich auf dem Bild auch deutlich ab.) Irgendwie ist es auch ein Wunder, dass so millimetergenau gearbeitet werden kann! Auf der vorherigen Aufnahme war nämlich gekennzeichnet, wie lang die Schraube sein darf (also wie dick der Knochen ist), bis die Kieferhöhle beginnt. Ein Durchbruch in selbige kann nämlich durchaus vorkommen.
Weiter geht es mit Gazetupferwechsel und warten. Ich habe keine Lust mehr, in der Praxis herum zu liegen bzw. inzwischen zu sitzen. Mein Fußweg beträgt etwa 5 Minuten, ich möchte nach Hause! Biete an, ein paar von diesen Gazeklumpen mitzunehmen und selber zu wechseln. Ob ich Hand-Desinfektionsmittel hätte? Benutzen vor dem Anfassen der sterilen Teile! Ja, ist vorhanden, geht in Ordnung. Ich werde ausgestattet mit mehreren Tabletten Ibuprofen800, einer Kühlkompresse (weitere liegen in meinem Kühlschrank bereit), den privaten Telefonnummern von Frau Doc, falls am Wochenende etwas sein sollte, und einem Merkblatt mit
"Verhaltensmaßnahmen für min. 10 Tage":
1. Kühlen - das Kühlkissen immer nass umwickeln
2. solange örtliche Betäubung wirkt, nicht essen, nicht trinken
3. 2-3 Tage nicht rauchen [irgendwo hatte ich gelesen, dass Raucher generell keine Implantate bekommen können - Infektionsgefahr!]
4. Bei Nachblutungen sterile Gaze-Ballen (notfalls sauberes Taschentuch) auf die Wunde legen und etwa 1 Stunde fest zubeißen.
5. Kein Aspirin/ASS als Schmerzmittel nehmen [na klar, wegen des blutverdünnenden Effektes!]
6. Beim Schlafen darauf achten, dass der Kopf erhöht liegt.
7. Die Haare nicht über Kopf waschen.
8. Nicht bücken. [Das tat ich einmal gedankenlos: Nasenbluten im Sturzbach!]
9. Keine schweren Sachen heben.
10. Nicht den Mund ausspülen und keine Mundspülung in den ersten 48 Stunden. [Was ist mit dem ganz normalen Zähneputzen? Ich habe normal geputzt und nur knapp gespült.]
11. Keine Milchprodukte. [Schlimm für mich, sehr schlimm. Aber ich bin brav. Es geht hierbei um die Milchsäurebakterien, die evtl. eine Infektion verursachen könnten.]
12. Kein Sport.
13. Keine körnigen Produkte essen, die die Wunde verstopfen können.
14. Säurehaltige Produkte wie Tomaten, Äpfel, Cola... vermeiden. [Also nur Bananen als Vitaminspender?]
15. Keine Saunagänge, kein Bad nehmen.
Zu Hause geht es mir wider Erwarten recht gut. Wechsele zwei, drei Male die unsäglichen Tupfer, dann blutet nichts mehr. Schlucke eine Ibu, bevor die Betäubung komplett abgeklungen ist. Verzichte auf meinen geliebten Kaffee und mache mir einen Tee, trinke ansonsten vorsichtshalber nur Wasser. Globuli! (Ich! Nicht zu fassen!)
Rücksprung: Bevor ich zur Behandlung ging, machte ich einen Weg in meine Apotheke, ein Rezept von meinem Lungen-Doc einlösen, Mundspüllösung kaufen (klar, nicht für die ersten zwei Tage, siehe oben, aber für danach, weil ich natürlich vorsichtig bei der Zahnpflege sein werde), erzählte von dem, was mir gleich bevorstehen würde.
Jetzt kommt das Unfassbare: Frau Apothekerin empfahl mir Arnica-Globuli!
Ich: "Das ist doch nur etwas für esoterische Spinner." (Etwas krass, ich geb es zu, aber so sind meine spontanen Reaktionen mitunter.) Sie sagte, dass sie selber, mit Pharmaziestudium, wirklich nicht daran glauben würde, dass auch nur der kleinste Abdruck eines Wirkstoffmoleküls vorhanden sein könnte. Aber sie erzählte mir kurz und knapp die Geschichte ihrer eigenen zwei fast identischen Operationen, eine mit und eine ohne Einnahme von Globuli hinterher.... Das war so glaubwürdig, dass ich sie gekauft habe. (Ich denke nicht an reine Geschäftemacherei, ich ließ mir nämlich gestern gerade eine Jahresquittung meiner Einkäufe von ihr ausdrucken. Seitdem ich regelmäßig Medikamente brauche, habe ich eine Stammapotheke, ich fühle mich damit sicherer als ohne. Also mir nur diesen Umsatz "aus der Tasche zu ziehen" hat man nicht nötig.) Und wenn sie nicht nützen, so schaden sie auch nicht ;-)
Große Globuli-Debatte bei Pharmama lesen!
Heute geht es mir sehr gut, keine Schmerzen, fast keine Schwellung.
Ich hatte mir so viele DVDs für einen Herumliege-Tag hervorgeholt, stattdessen war ich einkaufen, Schneefotos machen (neue DC ausprobieren!), werde gleich mir ein leckeres Essen kochen und nachher über meine Kamera berichten.
Das einzige, was wirklich stört, sind die losen Fadenenden im Mund. Der Faden wird in 10 Tagen gezogen werden, danach ist Einheilzeit des Implantates bis zum nächsten Termin.
Samstag, 28. Januar 2012
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Liebe Gudrun,
AntwortenLöschenersteinmal wieterhin gute Heilung!!!!
Hört sich doch alles sehr fachmännisch an.
Was Arnika betrifft, so kann ich deiner Apothekerin wirklich nur recht geben!! Auch bei meinen Fuß-/Beinverletzungen letztes Jahr habe ich hochdosierte Arnika Globoli genommen!Wenn ich eine stumpfe Verletzung habe(oder die Kinder früher)immer Arnika innerlich und äusserlich!
Was ich immer noch vor und auch oft noch nach solchen Eingriffen nehme ist Traumeel! Habe ich z.B. auch nach meiner Venen und Knie-OP gemacht.
Ich bin der Meinung,dass es dazu beiträgt, dass bei mir immer alles sehr gut und relativ schnell verheilt.
Ein schönes Schonwochenende (schneits bei euch auch??)
Angelika
Liebe Angelika,
AntwortenLöschendanke für deine guten Wünsche. Es ist ja allgemein bekannt, wie ich zu solch "Alternativkram" stehe... aber meine Apothekerin hat's empfohlen :-)) Jedenfalls verläuft offenbar alles gut.
Ja, hier auch Schnee. Wenn ich mein Versprechen (neuer Text über DigiCam) gehalten hätte, wären die Fotos schon zu sehen gewesen. Aber morgen!
Schönes Wochenende!
Bei Verhaltensmaßregel Nr 3, fällt mir ein, dass ich schon immer fragen wollte: rauchst du eigentlich? Und müssen Nichtraucher nach drei Tagen sich eine Nikotindosis verabreichen?
AntwortenLöschenNein, denn das würde mein Leben drastisch verkürzen. Außerdem bekäme ich dann nicht die sündhaft teure Infusionsbehandlung. Die zweite Frage, mit Verlaub, beantworte ich nicht.
AntwortenLöschenMein Opa sagte immer wer 80 Jahre raucht wird auch 80 Jahre alt. Als der Arzt ihm das Rauchen verboten hatte, starb er mit 87 ;-)
AntwortenLöschenDanke für den ausführlichen Bericht! Hat mich sehr interessiert, denn es ist ungefähr das, was mir auch droht, wenn sich demnächst eine Brücke bzw. Pfeilerzahn verabschiedet.
AntwortenLöschenAngesichts des Gesamtaufwands und der Kosten überlege ich ernsthaft, lieber zahnlos zu leben. Grade hinten sieht man das ja nicht...
@zebruin54: Wer mit dem Rauchen aufhört, braucht - sofern kein "kalter Entzug" gewünscht wird - ab sofort Nikotinersatz. Hat man mal 3 Tage geschafft, ist man übers Gröbste ja schon hinweg!
Hallo Claudia, das Problem ist ja nicht, dass man fehlende Zähne sehen könnte, sondern dass 1. sich der zahnlose Kiefer(teil) zurück bildet, 2. die Zähne auf der Gegenseite keinen Gegendruck mehr bekommen und dadurch zu weit aus dem Kiefer hervor kommen, 3. Unregelmäßigkeiten von Gebiss/Kiefer sich auf die gesamte Körperstatik auswirken (Schultern, Wirbelsäule, Beine - das hat mir die Kieferorthopädin vor langer Zeit einmal veranschaulicht). Hinsichtlich der hohen Kosten lässt sich heute doch jede Abrechnungsstelle notfalls auf eine Ratenzahlvereinbarung ein.
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