Samstag, 23. Februar 2008

Wer die Wahl hat

... hat die Qual.

Morgen wird hier gewählt: Die Bürgerschaft und die Bezirksversammlung. Das geänderte Wahlrecht in Hamburg hat die Landeswahlleitung veranlasst, schon vor einiger Zeit eine umfangreiche Dokumentation, Musterstimmzettel und Listen der zur Wahl stehenden Personen zu versenden. Im ersten Moment kam es auch mir als normal intelligenter Person schon wie eine wissenschaftliche Abhandlung vor. Wie viele sich wohl davon eher abgeschreckt als motiviert fühlen werden? Ich befürchte, eine ganze Menge.

Ich werde wohl die Partei wählen, die ich traditionsgemäss immer wähle, mir bleibt gar nichts anderes übrig... Wenn ich in mich gehe, überzeugt mich nichts und niemand tatsächlich von seiner Kompetenz und Bereitschaft, hier irgendwas zum Besseren zu wenden. Person A, ein stets wie aus dem Ei gepellt auftretender Strahlemann, kommt mir zu arrogant rüber. Person B hat sich auf seiner Wahlkampfschlussveranstaltung nur polemisch und nicht sympathisch gegeben, Person C geht überhaupt nicht... Und eine Partei, die sich einzig Fremdenfeindlichkeit auf die Fahnen geschrieben hat, ist ohnehin indiskutabel...

In Frage käme auch der Rechtsanwalt, der vor Jahren für mich tätig war - als Anwalt sehr gut, aber wie er sich in der Lokalpresse immer wieder präsentiert, ist nicht "mein Ding". Seine Frau? Wusste gar nicht, dass sie auch politisch aktiv ist. Schau an, unsere Kieferorthopädin, Gemahlin meines hochgelobten Zahnarztes, möchte in die Bezirksversammlung. Schade dass sie, genau wie der RA, in der Partei ist, die ich traditionsgemäss nicht wähle. Und: Welche politschen Konzepte angeboten werden, wofür sie sich alle gerne einsetzen möchten, das ist mir sowieso nicht klar.

Interessant zu lesen in dem Musterheft sind übrigens die Berufe der Kandidaten, es ist nämlich sehr gut ein soziales Gefälle von oben nach unten wahrzunehmen analog zu den Listenplätzen der Parteien/Kandidaten.

Und: Ja, ich habe Vorurteile. Ich möchte mich nicht vertreten lassen von z.B. "ewigen" Studenten, Bankangestellten i.R. oder einer Rentnerin Jahrgang 1914.

Es gibt für mich genau zwei Gründe, zur Wahl zu gehen. Einer davon ist, mich überhaupt zu beteiligen.

Die Tochter in Rom hat übrigens von einer Briefwahl abgesehen, da sie z.Zt. "ja überhaupt nicht weiss, was so Sache ist." Ich kann's verstehen. So fällt sie mit in die Statistik der Nichtwähler.